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"Freiburger Blasorchester": Die Musikvereine Opfingen, Kappel und Ebnet im Konzerthaus Freiburg


So etwas erlebt man sonst nur bei großen Männerchören: Kaum ertönt der erste Akkord, ist der Konzertsaal auch schon prall angefüllt mit Klang. Beim "Freiburger Blasorchester" übertitelten Abend mit den Musikvereinen aus Opfingen, Kappel und Ebnet waren die Zuschauerreihen im Freiburger Konzerthaus fast voll besetzt; die Resonatoren hatte man an der Decke gelassen, weil man ihrer klangverteilenden und -bündelnden Qualitäten tatsächlich nicht bedurfte. Auch ohne der Mithilfe die Akkustiker ballte sich hier die Fülle des Wohllauts immer wieder zu starken Effekten.

Dass der Wucht rhythmisch präzise gesetzter und klanglich gut ausgehorchter Bläser-Aktionen unweigerlich immer etwas pathetisches innewohnt, wissen auch diejenigen, die für Blasorchester komponieren. Dass sich das auch programmatisch einsetzen lässt, demonstrierte unter Frieder Stolls Leitung der Musikverein Ebnet. Der gab seinem Programmteil den Titel "Wandlung durch Geist und Raum" und durchsetzte die gespielten Stücke (darunter der "Uranus"-Satz aus Gustav Holsts "Planeten") mit ( dem Anspruch) philosophischer Tiefgründigkeit. Zu dem Gedanken kann man stehen, wie man will - sicher ist, dass der ebneter Musikverein schlichtweg glänzend spielte: rythmisch (bis auf einige nicht ganz präzise Sechzehntel-Läufe in Hans Christian Andersen-Suite) sehr präzise, mit großer Strahl- und Durchschlagskraft. Sogar die Gruppe der Klarinetten, deren Aktionen bei den anderen beiden Orchestern zumal intonatorisch nicht ganz lupenrein wirkten, waren hier überaus homogen.

Beim Musikverein Opfingen mischten sich Klangfarben der Instrumente nicht optimal, und die rhythmische Füllung von Holsts Es-Dur-Suite wie auch von Georgi Salnikows "Children's Suite" geriet nicht immer ganz präzise. Dabei muss man aber bedenken, dass das von Bernd Becker geleitete Orchester ein sehr junger Klangkörper ist.

Schade, dass es für Blasorchester so wenig wirklich gute Literatur gibt, sich Musikvereine mit so viel komponiertem Mittelmaß herumschlagen müssen. Auch beim Freiburger Konzert durfte man also für alles dankbar sein, was auch nur ein bischen interessant klang und gearbeitet ist. Dazu zählt James Curnows Concertino für Schlagzeug und Blasorchester, das der Musikverein Kappel vorstellte: Weil die Schlagzeuger hier enorm virtuos agierten und das Orchester zudem von seinem Dirigenten Manfred Preiß zu sehr genauem Musizieren angeleitet wurde, konnte das Stück nicht nur Effekt machen, sondern auch als ansprechende Klangfarben-Etüde wirken.

Wie sich bei W.Francis McBeths Moby-Dick-Suite "Of Sailors and Whales" zeigte, ist dieses Orchester bereits so weit, das es Farben und Rhythmen tatsächlich nicht nur ordnet, sondern mit ihnen auch spielen kann. Wen stört es da schon, das der weiße Wal hier ein ziemlich platter Fisch ist.

Susanne Benda (BZ) (20.03.2001)


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